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Motorrad Tour nach Istanbul
Zitat von Reiner am 30. September 2026, 16:15 UhrKonstantinopel – Reiner fährt mit dem Hobel nach Konstantinopel
Servus Leute im Forum,
ich muss ein bisschen ausholen, denn diese Tour hat eine Vorgeschichte, und die ist fast so gut wie die Tour selbst.
Zu meinem 60. Geburtstag haben mir ein paar Freunde ein selbstgedichtetes Lied vorgetragen. Ich saß da, ein bisschen gerührt, ein bisschen verlegen auf meinem Stuhl, und dann kam diese eine Zeile: „Reiner fährt mit dem Hobel nach Konstantinopel." Ich hab noch überlegt, ob ich lachen oder rot werden soll, da war der Oberfrosch schon aufgesprungen, mitten im Lied, und brüllte quer durch den ganzen Raum: „Hier! Hier! Hier!" – als hätte man ihm diese eine Zeile ganz persönlich auf den Leib geschneidert. Ihr kennt Karsten, ihr wisst ungefähr, wie das ausgesehen hat. Der Saal lag am Boden, meine Frau hat Tränen gelacht, und ich hab in dem Moment gewusst: Diese Schnapsidee wird irgendwann Realität.
Die Konstantinopel-Zeile ließ uns nicht los. Sie stand wie eine offene Rechnung im Raum, Jahr für Jahr und bei jedem Streckenplan, den wir für andere Ziele geschmiedet haben.
Konstantinopel, das heißt heute Istanbul, eine Stadt auf zwei Kontinenten, und genau das hat uns gereizt: nicht nur hinfahren, sondern richtig ankommen, in Europa starten und in Asien stehen. Dieses Jahr im September haben wir die Rechnung endlich beglichen. Fünfzehn Tage, ein Ziel mit Umweg, und wir zwei mit unseren VN2000.
Tag 1 – 14.09.2026: Bindlach – Dolní Dvořiště (322 km)
Kein Aufbruch im Morgengrauen, keine Nachtfahrt, kein Heldentum, das war uns beiden von Anfang an klar. Also haben wir in Ruhe in Bindlach zu Mittag gegessen und dann sind wir um 12:49 Uhr vom Hof gerollt. Der Tag war mild, die Sonne stand schon hoch, angenehm warm, genau richtig, um sich in aller Ruhe einzufahren, statt gleich mit klammen Fingern loszubrettern.
Die erste Etappe führte uns bewusst über Landstraßen, keine Autobahnkilometer, keine Eile. Über Weidenberg, Immenreuth, Kemnath, und Erbendorf sind wir Richtung Tschechei gefahren.
Bei Mähring ging es dann über die Grenze. Kein Stau, kein Papierkram, kein Theater, einfach ein kurzer Blick der Grenzbeamten und weiter.
In Tschechien wurde die Landschaft weiter, ruhiger, die Straßen etwas breiter, dafür der Verkehr spürbar dünner. Hügel wechselten sich mit Waldstücken und Feldern ab, und der Straßenzustand war ein typisch bunter Mix, wie man ihn in dieser Ecke Tschechiens kennt: mal frisch geteerter Asphalt, auf dem man förmlich schwebt, mal ein Flickenteppich aus Ausbesserungen, bei dem man die Zähne zusammenbeißt und dem Fahrwerk der VN2000 innerlich dankt.
Am Nachmittag zog sich die Strecke weiter südwärts, vorbei an Písek und schließlich durch die Gegend um České Budějovice, das ihr vielleicht eher unter dem deutschen Namen Budweis kennt.
Unser erstes Nachtlager lag kurz vor der österreichischen Grenze: die Pension Casino Admiral in Dolní Dvořiště, Hausnummer 227. Keine Luxusherberge, kein Fünf-Sterne-Schnickschnack, sondern genau das, was man nach so einem Auftakt braucht, ein sauberes Zimmer, ein Parkplatz direkt vor der Tür, ein kaltes Getränk und die Möglichkeit, die Stiefel endlich mal auszuziehen. Etappe eins geschafft, 322 Kilometer, und der Kopf war schon nicht mehr zu Hause, sondern irgendwo zwischen Wien und dem Schwarzen Meer.
Tag 2 – 15.09.2026: Dolní Dvořiště – Raum Galanta (346 km)
Um kurz nach neun ging es weiter, an Freistadt vorbei südlich in Richtung Wien, dann in einem großen Bogen östlich um die Stadt herum. Auf der Höhe von Wien konnten wir in der Ferne den Stephansdom und die Skyline der Donaumetropole erahnen, ohne selbst hineinzufahren, ein kurzer Gruß im Vorbeirauschen an eine Stadt, die wir beide schon kennen. Weiter ging es an Bratislava vorbei in die slowakische Ebene bevor die Route uns weiter ostwärts trug.
Der Oberfrosch fuhr wie eigentlich auf der ganzen Tour vorne weg, das Navi fest im Blick, und ich hängte mich in seinen Windschatten. Ungefähr im Stundenrhythmus ging der rechte Blinker an, dann suchte er sich einen Platz zum Halten, meistens weil eine Zigarettenpause fällig war, aber ehrlich gesagt tat mir das genauso gut, kurz absteigen, die Beine lockern, zwei, drei Sätze wechseln, bevor der Helm wieder drauf kam.
Die Slowakei zeigte sich von ihrer stillen, ruhigen Seite. Weite Felder, kaum Verkehr, ehrliche, gerade Landstraßen. Man merkt an solchen Tagen, wie sich das Reisen langsam einschleicht, wie der Alltag zu Hause im Rückspiegel immer kleiner wird und die Gedanken freier werden. Übernachtet haben wir im Raum Galanta, kein Ort mit großer Berühmtheit, aber ein freundlicher, unaufgeregter Zwischenstopp für die zweite Nacht.
Tag 3 – 16.09.2026: Galanta – Satu Mare (482 km)
Der längste Fahrtag der gesamten Tour. Es ging quer durch die restliche Slowakei nach Ungarn hinein, dann durch die nordungarische Ebene, immer weiter Richtung Osten, bis zur rumänischen Grenze. Die Landschaft öffnete sich zusehends, das flache, weite Land der Puszta-Ausläufer, mit diesem typischen, fast unwirklichen Horizont, der so gerade verläuft, als hätte ihn jemand mit dem Lineal gezogen.
Zwei längere Pausen haben wir uns gegönnt, eine davon mitten in der ungarischen Weite, wo es außer Himmel, Feld und Horizont schlicht nichts zu sehen gab, und genau das war der Punkt daran, einfach mal stehen und nichts tun, den Wind hören und den Motor abkühlen lassen.
Am Abend erreichten wir Satu Mare in Rumänien und checkten im Hotel Astoria ein. Die Stadt ist bekannt für ihre beiden schlanken Kirchtürme, die als „die Hänsel-und-Gretel-Türme" oder auch als die höchsten Kirchtürme Rumäniens gelten (leider kein Bild).
Ein Tag mit vielen Kilometern, viel Sonne im Gesicht und dem ersten wirklich handfesten Gefühl, wie weit wir von zu Hause inzwischen entfernt waren.
Konstantinopel – Reiner fährt mit dem Hobel nach Konstantinopel
Servus Leute im Forum,
ich muss ein bisschen ausholen, denn diese Tour hat eine Vorgeschichte, und die ist fast so gut wie die Tour selbst.
Zu meinem 60. Geburtstag haben mir ein paar Freunde ein selbstgedichtetes Lied vorgetragen. Ich saß da, ein bisschen gerührt, ein bisschen verlegen auf meinem Stuhl, und dann kam diese eine Zeile: „Reiner fährt mit dem Hobel nach Konstantinopel." Ich hab noch überlegt, ob ich lachen oder rot werden soll, da war der Oberfrosch schon aufgesprungen, mitten im Lied, und brüllte quer durch den ganzen Raum: „Hier! Hier! Hier!" – als hätte man ihm diese eine Zeile ganz persönlich auf den Leib geschneidert. Ihr kennt Karsten, ihr wisst ungefähr, wie das ausgesehen hat. Der Saal lag am Boden, meine Frau hat Tränen gelacht, und ich hab in dem Moment gewusst: Diese Schnapsidee wird irgendwann Realität.
Die Konstantinopel-Zeile ließ uns nicht los. Sie stand wie eine offene Rechnung im Raum, Jahr für Jahr und bei jedem Streckenplan, den wir für andere Ziele geschmiedet haben.
Konstantinopel, das heißt heute Istanbul, eine Stadt auf zwei Kontinenten, und genau das hat uns gereizt: nicht nur hinfahren, sondern richtig ankommen, in Europa starten und in Asien stehen. Dieses Jahr im September haben wir die Rechnung endlich beglichen. Fünfzehn Tage, ein Ziel mit Umweg, und wir zwei mit unseren VN2000.
Tag 1 – 14.09.2026: Bindlach – Dolní Dvořiště (322 km)
Kein Aufbruch im Morgengrauen, keine Nachtfahrt, kein Heldentum, das war uns beiden von Anfang an klar. Also haben wir in Ruhe in Bindlach zu Mittag gegessen und dann sind wir um 12:49 Uhr vom Hof gerollt. Der Tag war mild, die Sonne stand schon hoch, angenehm warm, genau richtig, um sich in aller Ruhe einzufahren, statt gleich mit klammen Fingern loszubrettern.
Die erste Etappe führte uns bewusst über Landstraßen, keine Autobahnkilometer, keine Eile. Über Weidenberg, Immenreuth, Kemnath, und Erbendorf sind wir Richtung Tschechei gefahren.
Bei Mähring ging es dann über die Grenze. Kein Stau, kein Papierkram, kein Theater, einfach ein kurzer Blick der Grenzbeamten und weiter.
In Tschechien wurde die Landschaft weiter, ruhiger, die Straßen etwas breiter, dafür der Verkehr spürbar dünner. Hügel wechselten sich mit Waldstücken und Feldern ab, und der Straßenzustand war ein typisch bunter Mix, wie man ihn in dieser Ecke Tschechiens kennt: mal frisch geteerter Asphalt, auf dem man förmlich schwebt, mal ein Flickenteppich aus Ausbesserungen, bei dem man die Zähne zusammenbeißt und dem Fahrwerk der VN2000 innerlich dankt.
Am Nachmittag zog sich die Strecke weiter südwärts, vorbei an Písek und schließlich durch die Gegend um České Budějovice, das ihr vielleicht eher unter dem deutschen Namen Budweis kennt.
Unser erstes Nachtlager lag kurz vor der österreichischen Grenze: die Pension Casino Admiral in Dolní Dvořiště, Hausnummer 227. Keine Luxusherberge, kein Fünf-Sterne-Schnickschnack, sondern genau das, was man nach so einem Auftakt braucht, ein sauberes Zimmer, ein Parkplatz direkt vor der Tür, ein kaltes Getränk und die Möglichkeit, die Stiefel endlich mal auszuziehen. Etappe eins geschafft, 322 Kilometer, und der Kopf war schon nicht mehr zu Hause, sondern irgendwo zwischen Wien und dem Schwarzen Meer.
Tag 2 – 15.09.2026: Dolní Dvořiště – Raum Galanta (346 km)
Um kurz nach neun ging es weiter, an Freistadt vorbei südlich in Richtung Wien, dann in einem großen Bogen östlich um die Stadt herum. Auf der Höhe von Wien konnten wir in der Ferne den Stephansdom und die Skyline der Donaumetropole erahnen, ohne selbst hineinzufahren, ein kurzer Gruß im Vorbeirauschen an eine Stadt, die wir beide schon kennen. Weiter ging es an Bratislava vorbei in die slowakische Ebene bevor die Route uns weiter ostwärts trug.
Der Oberfrosch fuhr wie eigentlich auf der ganzen Tour vorne weg, das Navi fest im Blick, und ich hängte mich in seinen Windschatten. Ungefähr im Stundenrhythmus ging der rechte Blinker an, dann suchte er sich einen Platz zum Halten, meistens weil eine Zigarettenpause fällig war, aber ehrlich gesagt tat mir das genauso gut, kurz absteigen, die Beine lockern, zwei, drei Sätze wechseln, bevor der Helm wieder drauf kam.
Die Slowakei zeigte sich von ihrer stillen, ruhigen Seite. Weite Felder, kaum Verkehr, ehrliche, gerade Landstraßen. Man merkt an solchen Tagen, wie sich das Reisen langsam einschleicht, wie der Alltag zu Hause im Rückspiegel immer kleiner wird und die Gedanken freier werden. Übernachtet haben wir im Raum Galanta, kein Ort mit großer Berühmtheit, aber ein freundlicher, unaufgeregter Zwischenstopp für die zweite Nacht.
Tag 3 – 16.09.2026: Galanta – Satu Mare (482 km)
Der längste Fahrtag der gesamten Tour. Es ging quer durch die restliche Slowakei nach Ungarn hinein, dann durch die nordungarische Ebene, immer weiter Richtung Osten, bis zur rumänischen Grenze. Die Landschaft öffnete sich zusehends, das flache, weite Land der Puszta-Ausläufer, mit diesem typischen, fast unwirklichen Horizont, der so gerade verläuft, als hätte ihn jemand mit dem Lineal gezogen.
Zwei längere Pausen haben wir uns gegönnt, eine davon mitten in der ungarischen Weite, wo es außer Himmel, Feld und Horizont schlicht nichts zu sehen gab, und genau das war der Punkt daran, einfach mal stehen und nichts tun, den Wind hören und den Motor abkühlen lassen.
Am Abend erreichten wir Satu Mare in Rumänien und checkten im Hotel Astoria ein. Die Stadt ist bekannt für ihre beiden schlanken Kirchtürme, die als „die Hänsel-und-Gretel-Türme" oder auch als die höchsten Kirchtürme Rumäniens gelten (leider kein Bild).
Ein Tag mit vielen Kilometern, viel Sonne im Gesicht und dem ersten wirklich handfesten Gefühl, wie weit wir von zu Hause inzwischen entfernt waren.
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